100 Jahre Caligari

"Das Cabinet des Dr. Caligari", einer der bedeutendsten Stummfilme der Weimarer Republik, feiert seinen 100. Geburtstag. Die Zellkultur – Büro für angewandte Kultur und Bildung gUG und der Prototyp feiern mit!
Am 27. Februar, dem Tag der Weltpremiere vor genau 100 Jahren, zeigen wir die aufwändig digital restaurierte Fassung des "Dr. Caligari". Eingeleitet wird der Abend von einem Vortrag der Filmwissenschaftlerin Marie-Therese Dudzik (Murnau Filmtheater).

Robert Wienes expressionistisches Meisterwerk "Das Cabinet des Dr. Caligari" ist nicht nur der Moment, in dem die Kunst Einzug in das immer noch relativ neue Medium Film hielt. Er gibt auch Einblick in die Seele der damals noch sehr jungen ersten deutschen Republik. Der Horror des Ersten Weltkriegs lag nur kurze Zeit zurück, eine Hyperinflation brachte Menschen und Staat an den Rand des Kollaps, zahlreiche Umsturzversuche wurden von nationalistischen und faschistischen Kräften unternommen. Die "Goldenen Zwanziger" lagen zudem noch einige Jahre entfernt, politische Morde waren an der Tagesordnung, der Antisemitismus erstarkte und die NSDAP wurde, ebenfalls im Jahr 1920, gegründet. In diesem Klima wirkte "Das Cabinet des Dr. Caligari" wie ein Spiegel für die zerrissene Gesellschaft.

In seinem Buch "Von Caligari zu Hitler" schrieb Siegfrid Krakauer 1947, dass das Kino der Weimarer Republik die späteren Entwicklungen unbewusst vorhersah. Bestens erkennbar ist dies wohl an den beiden Hauptdarstellern des "Dr. Caligari": Werner Krauß und Conrad Veidt.
Krauß, der damals wohl größte Star des deutschen Stummfilms (der die Tyrannenfigur des Caligari verkörpert), war glühender Antisemit und schloss sich sehr früh und begeistert den Nazis an. Unter diesen wurde er zunächst Staatsschauspieler, später stellvertretender Präsident der Reichstheaterkammer und spielte in Propaganda- und Hetzfilmen, u. a. Veit Harlans "Jud Süß", mit.
Conrad Veidt (der den unter Dr. Caligaris Einfluss stehenden Schlafwandler Cesare spielt) war hingegen ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten und floh nach der Machtübernahme aus Deutschland. Große internationale Erfolge feierte er in Großbritannien und in Hollywood, wo er neben Ingrid Bergman und Humphrey Bogart in "Casablanca" auftrat.

2020 ist es deshalb an der Zeit, an diesen Meilenstein der Filmgeschichte sowie die Zeit seiner Entstehung, zu erinnern.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt Gießen, den AStA Gießen und mit freundlicher Genehmigung der F.W. Murnau Stiftung.

Eintritt gegen Spende.

100 Jahre Caligari
Donnerstag, 27.02.2020
19.30 Uhr

Prototyp
Georg-Philipp-Gail-Straße 5
35394 Gießen

Bild: © Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung