Best Worst Picture

Die erste Filmreihe der Zellkultur beschäftigt sich mit den Besten unter den Schlechtesten!

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And the Oscar for the Best Worst Picture goes to…

Einen schlechten Film zu machen ist nicht schwer. Einen guten Film zu machen schon eher.
Die wahrhaft große Kunst besteht jedoch darin, einen guten schlechten Film zu produzieren!

Die Rede ist von einem Film, hinter dem die ernsthafte und ehrliche Intention steht, ein großes Kunstwerk zu schaffen, dessen Konzeption oder Umsetzung (oder beides) aber so unglaublich schief ging, dass das Ergebnis einfach nur bizarr ist. Ein Film, der gerade deshalb für uns, die Zuschauer*innen, ein unvergleichliches ästhetisches Erlebnis bereit hält. Ein Film, der so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist. Ein Film, der gut ist, gerade weil er so schlecht ist!

Die Rede ist von einem Film wie Tommy Wiseaus "The Room" (2003), dessen Inhalt zu absurd ist, um ihn in nur einem Satz angemessen zu beschreiben.
Oder "Troll 2" (1990), der - auch wenn sein Titel es vermuten lässt - NICHT die Fortsetzung zu einem Film namens Troll ist, ja in dem nicht einmal Trolle vorkommen.
Oder "Plan 9 from Outer Space" (1959), einst als worst film ever made betitelt - und dessen Regisseur Ed Wood gleich noch als schlechtesten Regisseur aller Zeiten obendrein.

Der New Yorker Philosoph John Dyck nennt diese Filme - oder besser, die gesamte Kunstgattung - Good-Bad Art. In Boston wurde im Museum of Bad Art sogar eine ganze Sammlung scheußlicher Kunstwerke angelegt, die einfach zu schlecht sind, um sie zu ignorieren. Und ausverkaufte Filmvorführungen auf der ganzen Welt zeigen: good bad art bringt Menschen zusammen, denn nichts macht mehr Spaß, als sich gemeinsam die besten schlechtesten Filme aller Zeiten anzusehen.

Zum Weiterlesen:

  • www.museumofbadart.org/
  • Appreciating Good Bad Art (2016). John Dyck, Matt Johnson. Journal of Value Inquiry 51. 2017. 279-292.
  • Good-Bad Art. John Dyck. The Philosopher‘s Magazine 86. 2019. 44-50.
  • The Disaster Artist: My life inside The Room, the greatest bad movie ever made. Greg Sestero, Tom Bissell. Simon & Schuster. 2013.

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Veranstaltungen:

THE ROOM - The Citizen Kane of bad movies
Freitag, 13.12.2019

Prototyp
Georg-Philipp-Gail-Straße 5
35394 Gießen

Die Filmreihe "Best Worst Picture" der Zellkultur – Büro für angewandte Kultur und Bildung gUG kommt zu ihrem (vorläufigen) Grande Finale!
Das Beste (oder Schlechteste?) haben wir uns dabei für den Schluss aufgehoben, einen Film der auch der „Citizen Kane der schlechten Filme“ genannt wird: "The Room".

Johnny hat alles: einen Job in der Bank, eine sexy Verlobte und eine Menge Freunde, die (uneingeladen) in seinem Townhouse in San Francisco ein und aus gehen. Außerdem ist er der Lieblingskunde der Blumenverkäuferin um die Ecke, auch wenn sie ihn aus unerfindlichen Gründen manchmal nicht gleich erkennt.
Doch die perfekte Welt beginnt langsam aber sicher über Johnny einzustürzen, als Lisa, Johnnys Verlobte, eine heimliche Affäre mit Mark, dessen besten Freund, beginnt. Johnny, der sich von der ganzen Welt verraten fühlt, sieht nur noch einen Ausweg: ungewollt komische Imitationen von James Dean und Marlon Brando!
Weiterhin wird sehr oft Football gespielt, werden Nebenhandlungen eröffnet (z.B. eine Brustkrebsdiagnose oder Geldschulden bei einem Drogendealer), die danach nie wieder erwähnt werden, es wird an unpassenden Stellen gelacht, aus unersichtlichen Gründen hingefallen und jeder Auftritt und Abgang einer Figur feierlich angekündigt. Außerdem gibt es die unangenehmsten sowie anatomisch inkorrektesten Sexszenen der Filmgeschichte zu sehen. Zwischendurch wird immer wieder auf eigenartigste Weise vor schlechten Kulissen über das Leben und das menschliche Verhalten philosophiert. "The Room" ist ein noch nie da gewesenes und bisher unübertroffenes Filmerlebnis.

Geschrieben, gedreht, produziert und in der Hauptrolle gespielt von Tommy Wiseau, dessen wahres Alter und Herkunft niemand wirklich kennt. Finanziert aus eigener Tasche, von einem Vermögen, dessen Ursprung ebenso ein Mysterium ist, war "The Room" eigentlich von vorneherein zum scheitern verurteilt. Während der völlig chaotischen Dreharbeiten wurde mehrfach die gesamte Crew entlassen, dauerte der Dreh von nur wenige Sekunden langen Szenen oft Tage, weil sich der völlig talentfreie Wiseau einfach seinen Text und seine Position vor der Kamera nicht merken konnte und wurden alle Beteiligten beinahe in den Wahnsinn getrieben. Dennoch entwickelte "The Room" einen Kultstatus, der einzig mit dem der "Rocky Horror Picture Show" vergleichbar ist. Professor Ross Morin des Connecticut College nennt "The Room" daher den „Citizen Kane der schlechten Filme“. Darsteller Greg Sestero, der Mark, Johnnys besten Freund, spielt und auch im wahren Leben mit Tommy Wiseau befreundet ist, schrieb 2013 außerdem das preisgekrönte Buch "The Disaster Artist" über seine Erfahrungen bei den Dreharbeiten und im privaten Umgang mit „Katastrophenkünster“ Wiseau. Die gleichnamige Verfilmung gewann 2018 einen Golden Globe und wurde außerdem für einen Oscar nominiert. "The Room" ist zweifelsohne einer der wichtigsten Filme der letzten zwanzig Jahre.


Eintritt frei, Spenden sich willkommen.

Der Film wird in englischer Sprache gezeigt.

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PLAN 9 FROM OUTER SPACE - 60th Anniversary
Montag, 18.11.2019

Prototyp
Georg-Philipp-Gail-Straße 5
35394 Gießen

FLIEGENDE UNTERTASSEN ÜBER HOLLYWOOD!!!
Aber was wollen die außerirdischen Besucher nur von uns? Sie möchten uns vor einer drohenden, von der Menschheit selbst verschuldeten, Katastrophe warnen - aber die irdische Regierung (besser gesagt, die der USA) ignoriert sie einfach und leugnet ihre Existenz. Zum Glück sind die Glitzerkostüm-tragenden Aliens, die ansonsten große Ähnlichkeit mit typischen US-Vorstadtbewohner*innen der 1950er-Jahre haben, gut organisiert. Um unsere Aufmerksamkeit zu erlangen, wenden sie Plan 9 an (Plan 1-8 sind leider fehlgeschlagen): Die Auferweckung der Toten! Doch ein paar furchtlose Helden machen sich daran, sie aufzuhalten.

"Plan 9 from Outer Space" gilt als der Inbegriff des so-bad-it‘s-good-Films und hat über die Jahre eine wahre Kultgemeinschaft aufgebaut.
Finanziert von einer Baptistengemeinde, auf deren Drängen der Originaltitel "Grave Robbers from Outer Space" geändert werden musste, umstürzende Kulissen, fliegende Wechsel zwischen Tag- und Nachtaufnahmen, außerirdische Raumschiffe an (sichtbaren) Schnüren und brillant-absurde Dialoge: "Plan 9" ist die Mutter aller „best worst picture“.
Regisseur und Drehbuchautor Edward D. Wood jr. konnte dennoch eine wahre Starbesetzung für seinen Film gewinnen. So ist Horror-Ikone Bela Lugosi (Dracula) hier in seiner letzten Filmrolle zu sehen. Leider verstarb der ehemalige Hollywood-Star noch vor Beginn der Dreharbeiten, weshalb er nur in vorher von Wood angefertigten Stock-Aufnahmen zu sehen ist. Im Rest des Films wird er von einem Double vertreten, das so überhaupt gar keine Ähnlichkeit zu Lugosi aufweist und deshalb stets einen schwarzen Umhang vor dem Gesicht trägt. Weiterhin treten auf: TV-Horror-Host Vampira, die nach eigenen Angaben, nach dem Lesen des Drehbuchs, eine Sprechrolle ablehnte, der schwedische Wrestler Tor Johnson, dessen Dialoge aufgrund mangelnder Englischkenntnisse sowie seiner Aussprache absolut unverständlich sind und Medium Criswell, der die Einleitung spricht, die allerdings eher wenig mit dem fertigen Film zu tun hat.

"Plan 9 from Outer Space" ist ein so genannter „must-see“, ein Film den jede*r mindestens ein Mal (gerne auf mehrmals) im Leben gesehen muss!
Zur Feier des 60. Geburtstages ist es die perfekte Gelegenheit, dies gemeinsam zu tun.

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TROLL 2 - THE BEST WORST MOVIE OF ALL TIME!
Donnerstag, 31.10.2019 (Halloween)
19 Uhr

Prototyp
Georg-Philipp-Gail-Straße 5
35394 Gießen

In TROLL 2 (der, auch wenn er so heißt, keine Fortsetzung zu einem Film namens "Troll" ist und in dem auch keine Trolle vorkommen) geht es um die Familie Waits, die zu einem Urlaub ins beschauliche Städtchen Nilbog aufbricht. Nur der kleine Joshua und der Geist seines verstorbenen Opas, der seinem Enkel immer wieder erscheint (und dabei manchmal auch das Zimmer verwechselt) wissen, was wirklich vor sich geht: Die Stadt Nilbog ("Goblin" rückwärts geschrieben) ist bewohnt von als Menschen verkleideten Goblins, die - da sie Vegetarier sind - Menschen in Pflanzen verwandeln und sie anschließend auffressen wollen.

TROLL 2 genießt absoluten Kultstatus und gilt für nicht wenige als der beste schlechte Film aller Zeiten!

Produziert von der italienischen Trash-Legende Joe D'Amato, nach einem Drehbuch von Rossella Drudi, die sich darüber echauffierte, dass einige ihrer Freunde zu Vegetariern wurden. Gedreht hauptsächlich mit Laiendarsteller*innen (darunter u.a. ein Zahnarzt sowie ein Patient einer Psychiatrie, der gerade Ausgang hatte) und einer italienischen Crew, die kaum Englisch sprechen konnte. Dazu Kostüme, designed vom ehemaligen Erotik-Star Laura Gemser, die aufgrund eines sehr engen Budgets aussehen, als hätten die Goblins gerade ihren dritten Schlaganfall hinter sich und unfreiwillig komische – aber gerade deshalb legendär gewordene – Dialoge.
TROLL 2 ist ein rundum gelungenes Kunstwerk, ein Meilenstein des schlechten Films und wird weltweit in ausverkauften Vorstellungen und auf Themenparties gefeiert. 2009 drehte Hauptdarsteller Michael Stephenson (Joshua) zudem den hoch gelobten Dokumentarfilm BEST WORST MOVIE über die Entstehung von TROLL 2, seinem Weg zum Kultfilm und den weiteren Lebensweg seiner Darsteller*innen.

TROLL 2 ist ein Film, den Mensch (und Goblin) gesehen haben muss - und das am besten gemeinschaftlich! Gute Filme kann schließlich jede*r, aber am meisten Spaß machen immer noch die guten schlechten Filme!

Der Film wird im Originalton (Englisch) gezeigt.

Mit filmbasierten Snacks und Drinks.

Eintritt frei, Spenden sind willkommen.